Flashover
& Backdraft
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Schon
früher wurde man von den Ausbildern besonders auf die
Brandausbreitungsgefahr bei Zimmerbränden geschult. Man sprach
von
Stichflammen, welche beim Öffnen einer Türe zu einem
Brandraum auftreten können. Heute wird dafür der
"neudeutsche" Begriff "Backdraft" oder fälschlicherweise auch
"Flashover" verwendet. Eines ist aber dabei klar. Vor einigen
Jahrzehnten hat man noch weniger Kunststoffe in Form von
Einrichtungsgegnständen und Textilien in den Wohnung,
Büros
und Hotelzimmern verwendet. Aber gerade bei den verschiedenen Plasten
kommt es in verstärktem Maße zum Phänomen
des
Feuersprungs ("Flashover") und zu Stichflammen ("Backdraft"). Man kann
also salopp sagen: Die Rauchdurchzündungen in Form der
plötzlichen Entflammung eines Raumes und die Stichflammen beim
Zuströmen von Sauerstoff sind bei modernen Bränden
größer und häufiger geworden.
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Flashover und Backdraft –
was
ist das?
Für die
Phänomene des Flashover und Backdraft gibt es nicht
nur die sehr anschaulichen deutschen Begriffe des Feuersprungs und der
Stichflammen, sie sollten auch strikte auseinander gehalten
werden.
Stichflammen stellen ein
kurzzeitiges Flammenphänomen dar, welches meist mit
verpuffungsähnlichen Erscheinungen auftritt. Dabei ist
primär ein
Sauerstoffmangel vorhanden und es bildet sich erst durch Luftzufuhr ein
zündfähiges Gemisch. Das ist der Backdraft!
Beim Feuersprung steht
jedoch in der
Regel der gesamte Brandraum schlagartig in Flammen. Dabei spielen die
im
Deckenbereich des Brandraumes befindlichen heißen
Verbrennungsgase eine
dominante Rolle. Diese werden mit steigender Temperatur zunehmend
zündfähiger
und die von ihnen ausgehende thermische Strahlung setzt
Einrichtungsgegenstände
schlagartig in Brand. Das ist der Flashover! Flash over
und Backdraft können folgendermaßen beschrieben
werden:
Feuersprung (Flashover): Ein
Feuersprung oder
Flashover tritt auf, wenn sich in einem Raum die Oberfläche
des brennbaren
Materials durch Wärmestrahlung aus den Flammen und aus der
heißen
Rauchgasschicht unterhalb der Decke soweit aufgeheizt hat, dass
flächendeckend
brennbare Dämpfe entstehen. Mit der im Raum vorhandenen Luft
bilden diese ein
zündfähiges Gemisch, das sich durch die vorhandenen
Flammen oder durch andere
Zündquellen entzündet. Nach dem Flashover brennt in
der Regel das gesamte im
Raum befindliche brennbare Material. Als Temperaturkriterium wird
häufig ein
Wert zwischen 500°C bis 600°C in der Rauchschicht
angenommen, ab dem ein
Flashover auftritt.
Stichflammen
(Backdraft):
Im
Gegensatz dazu treten Stichflammen (Backdraft) auf, wenn brennbare
Dämpfe, die
im Brandbereich entstanden sind, aufgrund von Sauerstoffmangel und/oder
starker
Abkühlung (z. B. an kalten Wänden) nicht
vollständig verbrennen konnten. Durch
Einmischen von Frischluft (z. B. Öffnen einer Tür
oder Zerstörung eines
Fensters) und/oder einer zusätzlichen Zündquelle
können diese brennbaren Dämpfe
wieder entzündet werden und verbrennen dann schlagartig mit
dem
Erscheinungsbild einer Verpuffung. Als Zündquellen kommen die
im Brandraum
herrschende Temperatur, Bereiche mit Flammenbildung oder
glimmende Bereiche in
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| DER
FLASHOVER |
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Um den Mechanismus eines
Flashovers zu
verstehen, müssen wir uns einige elementare Grundkenntnisse
des
Verbrennungsvorganges in Erinnerung rufen. Es ist eine Binsenweisheit:
Ein
Streichholz selbst brennt nicht, sondern wird durch den
Zündvorgang thermisch
so aufbereitet, dass brennbare Gase und Dämpfe entstehen. Erst
diese brennen
nun und erzeugen eine Flamme.
AM BEISPIEL EINER
KERZE
Am Beispiel einer Kerze kann dies, wie folgt,
genauer
veranschaulicht werden. Man unterscheidet dabei drei wichtige
Flammenzonen:
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Gaszone: |
Diese bildet
sich um den Docht der Kerze. Sie
stellt die Zone der thermischen Aufbereitung des Brennstoffes (hier:
Paraffin-Moleküle = Kohlenwasserstoff-Verbindung) dar und ist
als dunkler Kern
sichtbar. Hier herrschen Temperaturen zwischen 300 und 500 °C.
Die Gaszone
besitzt einen blauen Rand. Das ist die Zone der
unvollständigen Verbrennung, da
in diesem Bereich Sauerstoffmangel herrscht.
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Glühzone: |
In der
Glühzone werden die Brennstoff-Moleküle in
Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H) bzw. niedermolekulare
Bruchstücke des
Paraffins zerlegt. Der entstandene Kohlenstoff (Ruß)
glüht charakteristisch und
gibt dieser Zone ihren Namen.
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Verbrennungszone: |
Sie stellt
einen unsichtbaren Flammensaum dar
(Sauerstoffüberschuss) in welchem Kohlenstoff (C) und
Wasserstoff (H) mit dem
Luftsauerstoff (O) verbrannt werden. Hier herrschen Temperaturen bis
1.100 °C. |
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DER RAUCH
IST WICHTIG!
Was jedoch lange Zeit nicht mit der erforderlichen
Sorgfalt beachtet wurde,
ist der Brandrauch. Man wusste zwar, dass er äußerst
giftig und ätzend sein
kann und die Sicht der Einsatzkräfte vor allem bei
Innenangriffen stört.
Darüber hinaus aber machte man sich keine Gedanken.
Zurück zu unserer
brennenden Kerze: Es entsteht also nicht nur eine Flamme, sondern es
ist - je
nach Sauerstoffangebot - eine mehr oder weniger intensive
Rauchentwicklung
festzustellen. In diesen Rauchgasen befinden sich neben
Brandrauchaerosolen
(Ruß) und diversen Verbrennungsprodukten auch teilweise
verbrannte Substanzen
(Pyrolyseprodukte) und unverbrannte Brennstoff-Moleküle. Dies
ist grundsätzlich
auch bei anderen brennbaren Stoffen so.e |
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WIE EIN FLASHOVER ENTSTEHT!
Mit fortlaufender Zeit heizen
sich die Rauchgase auf und werden durch die bis über 1.000
°C hohen
Temperaturen im Deckenbereich thermisch aufbereitet (aus
größeren Molekülen
entstehen besser brennbare kleinere Moleküle). Dann kommt bei
Sauerstoffzufuhr
die kritische Phase, in welcher bestimmte lokale
Rauchgasströme zu brennen
beginnen: Es bilden sich Flammenzungen, die sich an der Decke des Raums
entlang
schlängeln. Im Englischen spricht man von so genannten dancing
angels (tanzenden
Engeln). Damit verbunden ist in der Regel ein plötzliches
Entflammen von
brennbaren Einrichtungsgegenständen (Tische, Sessel,
Polstermöbel, Textilien
etc.), wenn diese auf Zündtemperaturen von über 300
°C aufgeheizt sind (tritt
vor allem durch Rückstrahlung der heißen Brandgase
ein). Jetzt sind alle
Voraussetzungen für den Feuersprung (Flashover) gegeben: Die
Rauchgase
entzünden sich und die Einrichtungsgegenstände
entflammen innerhalb kürzester
Zeit. Dadurch entsteht eine Flammenwalze, vor der es kein entrinnen
gibt!
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| Zusammenfassend
können wir daher sagen: Nicht die Stoffe selbst brennen,
sondern die aus ihnen
durch die Wärme austretenden Gas- bzw. Dampfmoleküle.
Bei Holz, Textilien aber
vor allem bei Kunststoffen können langkettige
Moleküle freigesetzt werden,
welche jedoch erst thermisch aufbereitet werden müssen. Weiter
spielt auch der
vorhandene Sauerstoffgehalt eine dominante Rolle, denn es kommt meist
erst bei
Luftzufuhr zum richtigen Gemisch. Dadurch zündet der
Brandrauch auch nicht sofort,
er schwebt jedoch wie ein explosives Damoklesschwert über den
Köpfen unserer
Einsatzkräfte, welche im Innenangriff ins Gebäude
vorgehen. Daraus folgt aber
eine wichtige Erkenntnis: Es kann bei Einsätzen in Bauwerken
faktisch überall
und zu jeder Zeit zu einer Rauchdurchzündung kommen! Um mit
STS zu sprechen:
Das „Böse“ ist immer und überall! |
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Zu
fette Brand-
und Pyrolysegase strömen aus dem Brandraum und
verdünnen sich mit Luft. Durch den Sauerstoffzutritt kommen
die Brandgase in den Zündbereich und werden durch eventuell
vorhandene Zündquellen in Brand gesetzt: Ein Flashover tritt
auf, der in den Raum zurückschlägt, also die
Einsatzkräfte von hinten treffen kann. Das ist der
„Umgekehrte Feuersprung“, der unter
Umständen erst nach einigen Minuten auftreten kann. |
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Das
Feuer im Brandraum ist bereits aus und der Brandraum wird
belüftet: Das ist das typische Szenarium für den so
genannten „Verlagerten Feuersprung“. Dabei wurde
der brennbare Brandrauch über abgehängte Decken,
verborgene Hohlräume und Kanäle sowie
Trapezblechdächer in einen anderen Raum des Bauwerks
verdrängt. Wenn sie eine Zündquelle antreffen,
erfolgt die Durchzündung.
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Das Szenarium
für den so genannten „Verzögerten
Feuersprung“: Viele brennbare aber unverbrannte Gase sind im
Brandrauch, die
OZG ist weit überschritten und das Feuer ist bereits
ausgegangen. Nun sinkt das
Rauchgasgemisch zu Boden, mischt sich mit Sauerstoff und wird zu einem
brennbaren Gemisch. Nur die Zündquelle fehlt. Wird
beispielsweise bei
Aufräumarbeiten ein Glutnest aufgewirbelt, kann es zur
Durchzündung kommen. Die
Einsatzkräfte stehen jetzt voll in den Flammen!
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| DER BACKDRAFT |
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BACKDRAFT - DIE
RAUCHEXPLOSION:
Wir haben bereits die verschiedenen Spielarten des Flashover, welchen
ich als
das „Schnelle Feuer“ bezeichnet habe, kennen
gelernt. Ein Sonderfall ist der so
genannte Backdraft, die Rauchexplosion! Ja, es handelt sich dabei um
eine echte
Explosion, welche durch die Zufuhr von Luftsauerstoff in
einem relativ
dichten
mit fettem Brandrauch ausgefüllten Raum ausgelöst
wird.
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Eine
klassische Rauchexplosion (Backdraft) durch
welche eine mächtige Stichflamme mit Splitterwirkung entsteht
(Foto: BF
Offenbach). |
BACKDRAFT:
„GROSSER BRUDER“
DER STICHFLAMMEN
Wie
Stichflammen entstehen, haben die älteren
Feuerwehrmänner schon vor den
neuen Erkenntnissen der Brandforschung, welche vor allem in den USA in
den
Fünfzigerjahren veröffentlicht wurden, in ihrer
Grundausbildung gelernt. Es
sind im Wesentlichen dieselben Voraussetzungen, wie für einen
Backdraft. Und
dem Grunde nach ist der Backdraft auch nichts anderes –
vielleicht ist er etwas
größer und intensiver und vor allem ein Ereignis mit
größerer Druckwirkung, wie
sie bei einer Explosion entstehen kann. Hervorgerufen wird dieses
Phänomen vor
allem durch komplexere Brennstoffe in Form einer Vielzahl von
Kunststoffen und
Holz. Deswegen habe ich den Backdraft einmal als den
„Großen Bruder“ der
Stichflammen bezeichnet. |
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IN VIER PHASEN
Wir wissen:
Stichflammen und Backdraft entstehen stets in einem Ablauf von vier
ineinander
greifenden Phasen des Verbrennungsvorganges, die
folgendermaßen beschrieben
werden können:
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Die
vier Phasen des Backdrafts
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TÜREN SIND
WIE
„ROHE EIER“ ZU BEHANDELN!
Aber auch das Wie des Öffnungsvorganges spielt
dabei eine wesentliche, ja entscheidende Rolle. Wir wollen uns dies am
Beispiel
des Öffnens einer Türe etwas genauer ansehen, weil es
gerade dabei bereits zu
fürchterlichen Unfällen (siehe Paris) gekommen ist.
Es hat sich gezeigt, dass Brandraumtüren eigentlich wie
„rohe Eier“ zu
behandeln sind. Das unbeherrschte Aufreißen oder Aufbrechen
ist das Schlechteste,
was man machen kann. Vor einer Türe, hinter welcher ein Feuer
vermutet wird,
einer so genannten „heißen
Türe“, muss man wohlüberlegt handeln.
Zuerst ist auf
Verfärbungen, Verformungen und eventuelle Ausgasungen zu
achten. Dann ist der
Türcheck (Abtasten von unten nach oben, am besten mit dem
bloßen Handrücken,
vorsichtiges Berühren der Türschnalle)
durchzuführen, durch welchen die
Wärmeentwicklung im Brandbereich abgeschätzt werden
kann.

KRITISCHER
MOMENT:
TÜRE ÖFFNEN
Nach dem Türcheck geht der Truppmann mit dem
Strahlrohr seitlich in Stellung, während der Truppkommandant
die Türe einen
Spalt öffnet. Davor sollte jedoch ein kurzer
Sprühwasserstoß vor der Tür
abgegeben werden (Grund: Wenn die Außenluft in den Brandraum
gesaugt werden
sollte, wird dieser Wassernebel ebenfalls in den Brandraum eingebracht
und kann
sogar eine Rauchdurchzündung verhindern). Nach Öffnen
der Türe wird danach die
dahinter liegende Rauchschicht mit zwei bis drei Sprühimpulsen
(etwa 60 Grad
nach oben) gekühlt und dann die Tür wieder
geschlossen. Dies kann vor allem
dann mehrmals wiederholt werden, wenn der Brandrauch im Deckenbereich
bleibt,
er also sehr heiß ist. Vor dem endgültigen
Vordringen in den Brandraum sind
mehrere Sekunden abzuwarten. Die weitere Einsatztaktik bei der Gefahr
einer
Rauchdurchzündung wird zu einem späteren Zeitpunkt in
dieser Serie behandelt.
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Verschiedene zerstörte
Einsatzgeräte nach einer Rauchdurchzündung in Berlin
am 2. April 2004
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| Vom Brand stark
belastete Schutzbekleidung, die jedoch weitgehend ihren Träger
schützte |
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Eine
schwere Backdraft-Katastrophe ereignete sich 2002 in Paris.
Bei einem kleinen Zimmerbrand wurden 5 Berufsfeuerwehrmänner
getötet.
Hier der Artikel:
Das Drama
von Paris - Eine Backdraft-Katastrophe |
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